Mein Reisedobson 12 Zoll (300/1500) von Hofheim Instrument (geschrieben
im Mai 2010, ergänzt im Juni 2010, letzte Aktualisierung am 27.08.2010)
Ein
kurzer Erfahrungsbericht
Nach etwas
mehr als einem Jahr und ca. 25 Beobachtungsnächte wollte ich
meine
bisherigen Erfahrungen in kurzform wiedergeben.
Das Teleskop habe ich im April 2009 bei Hofheim Instrument über
das Internet (per Mail) bestellt. Ausschlaggebend
für den Kauf waren die Kompakte Maße, zwei
Testberichte (SuW 04/2009 und das Sonderheft
„Teleskope“
von Interstellarum aus 2008) und die Möglichkeit das Gerät in
einem smart
fortwo zu laden und zu befördern. Ein 10 oder 12 Zoll
Gerät
von GSO oder Galaxy kamen für mich nicht in Frage, da diese
Geräte für mich zu sperrig sind und ein hohes Gewicht
mit
sich bringen. Last but not least besitzt das Gerät einen gewissen charm, das Design ist einfach himmlich! Am 22.04.2009 war es
endlich soweit
und das bestellte Teleskop wurde geliefert. Ich hatte leider nicht die
Möglichkeit das Teleskop persönlich in Hofheim
abzuholen und
musste somit das Gerät über den Versand anliefern
lassen. Zugegen, ich war etwas skeptisch ein optisches
Präzisionsgerät als Paket zu erhalten. Ich
wurde aber
nicht enttäuscht. Das Gerät war in zwei
getrennte Kartons verpackt und vorbildlich mit Luftpolsterfolie geschützt und in viel Polystyrol-Chips eingebettet. Das
Gerät kam unversehrt und wohlauf bei mir an. Die Freude war
groß!
Zum Teleskop hatte ich
noch folgendes Sonderzubehör bestellt:
Irisblende zur Verbesserung
des Kontrastes
Antistreulicht-Bespannung.
Eine Folie die zur Abschirmung von Streulicht und Staub dient.
Befüllbares
Gegengewicht zum austarieren des Teleskopes bei Verwendung von schweren
Okulare (ab 500 gr. nützlich) oder eines 8x50 optischen
Suchers.
(Anmerkung: die Halterung für einen optischen Sucher muss man
selbst anbringen)
Leuchtpunktsucher zum anpeilen
von Himmelsobjekte
1,25 Zoll Adapter
Als unentbehrlich hat
sich m.E. folgende Sonderausstattung erwiesen:
Leuchtpunktsucher
Kollimationsgerät
(Cheshire oder Laser)
1,25 Zoll Adapter
Als nützlich
aber nicht unbedingt notwendig:
befüllbares
Gegengewicht
Irisblende
Antistreulicht-Bespannung
Den
folgenden Ratschlag sollte man unbedingt beherzigen: Bevor das
Gerät zum ersten mal
aufgebaut wird, sollte man sich vorher die Zeit nehmen und das
beigefügte Handbuch durchlesen. Außerdem
sollte das
Gerät vor dem ersten Gebrauch bzw. First Light
unbedingt
bei Tageslicht einmal, besser mehrmals, auf- und abgebaut
werden. Damit spart man sich m.E. viel Zeit und ärger. Man will ja
schließlich bei klarem Himmel schnellstmöglich
beobachten
und nicht Handbücher lesen und/oder hektisch das
Gerät falsch
aufbauen. Diesen Frust kann man sich durch
sog. „Trockenübungen“ daheim leicht sparen. Es
sollte
peinlichst darauf geachtet werden, dass der Spiegel jederzeit mit den
drei Halterungen gesichert ist, da bei horizontnahe Beobachtungen die
Gefahr besteht, dass der Spiegel aus der Halterung fällt!
Steht
übrigens auch auf dem Handbuch => lesen!
Auf-
und Abbau des Reiseteleskops: Wie lange dauert nun
das aufbauen?
Die ersten male sollte man mit 15-20 Minuten kalkulieren, sofern die
Stangen schon vormontiert bzw. zusammengeschraubt sind. Mittlerweile baue ich das Gerät in 10 Minuten auf.
Man
sollte sich streng an den Ablauf halten, ansonsten baut man
das
Gerät falsch auf und baut es dadurch zweimal auf. Das
zusammenpacken
des Gerätes in die Box ist einfach, aber man sollte sich vorab
damit auseinandergesetzt haben, ansonsten wundert man sich,
warum z.B. der Deckel auf der Box sich nicht schliessen läßt.
Das
Beobachten: Das Gerät hat
eine
relativ butterweiche und ruckelfreie Nachführung. Es lässt
sich
problemlos nach rechts-links und hoch-runter bewegen. Mit Okulare
von Televue vom Typ Nagler T6 in 1,25 Zoll
Steckgröße
(200-300 gr.) bleibt das Gerät in allen Positionen im
Gleichgewicht. Ein Gegengewicht ist somit nicht zwingend erforderlich.
Aufgrund der Größe (ca. 1,5 meter) ist zum
beobachten ein
handelsüblicher Bügelstuhl (ab ca. EUR 9,99
aufwärts)
sinnvoll, da man je nach Beobachtungswinkel, eine etwas
gebückte und angespannte Haltung annimmt. Auf Dauer geht diese
Haltung zu Lasten der Wirbelsäule und der
Nackenmuskulatur.
Ein entspanntes beobachten ist somit nicht möglich. Dies liegt
aber nicht allein am Reisedobson aus Hofheim, sondern dies gilt für nahezu
alle Teleskope. Bedingt durch die
Leichtbauweise ist das Gerät etwas anfällig
für
Nachschwingungen beim Fokussieren oder beim Nachführen. Die
Nachschwingungen sind aber von kurzer Dauer und m.E.
vernachlässigbar. Man kann damit leben. Nach einer kurzen
Eingewöhnungszeit fallen einem diese nicht mehr auf. Man
sollte
aber dabei nicht vergessen, dass dies der Preis einer kompakten und
leichten Bauweise ist. Aber Hand aufs Herz, ist ein Volltubus von GSO/Galaxy wirklich vollkommen zitterfrei?
Mangels Erfahrung und
Vergleichsmöglichkeiten kann ich über die
Qualität des
verwendeten Spiegels keine Aussage treffen. Mir ist aber nichts
Negatives aufgefallen, es sind m.E. keine auffällige
Abbildungsfehler vorhanden wie Astigmatismus, Koma, sphärische
Aberration oder ähnliches. Der Hauptspiegel (HS) als auch der
Fangspiegel (FS) haben eine Mittelmarkierung, dies ist bei der
Kollimation sehr hilfreich!
Was
kann ich damit sehen: Unter dunklen Himmel
vieles. Der
Unterschied zu einem 8 Zoll Gerät ist m.E. signifikant. An
vielen
Objekten wie Galaxien und Nebel werden zahlreiche Details
erkennbar, die z.B. in einem 8 Zoll Gerät entweder nur
durch
indirektes Sehen wahrgenommen werden oder sogar komplett verborgen
bleiben. Der Spaßfaktor mit einem 12 Spiegel ist somit enorm.
Anbei drei Beobachtungsnotizen:
(12
Zoll, 6.
April 2010) Hickson44 Gruppe: diese Galaxiengruppe besteht aus vier
Galaxien (NGC 3193, NGC 3190, NGC 3185, NGC 3187). Die Galaxien sind durch ihre
Schwerkraft miteinander verbunden. Die Gruppe war relativ einfach zu
beobachten. Die vierte Komponente N3187, die schwächere der
Gruppe, erwies sich als etwas schwieriger, da diese nicht immer direkt
gehalten werden konnte bzw. das Objekt sehr kontrastschwach im Okular
schimmerte.
(12
Zoll, 6.
April 2010) M51 zeigte sich ab einer mittlere
Vergrößerung
von V=115 und höher (13 mm, AP=2,6mm, wGF=0,71°)
beinahe
fotografisch. Die beiden Spiralarme winden sich um den hellen Kern. Auf
den Spiralarmen lassen sich mittig, beinahe durchgehend dunkle Streifen
erkennen. Die Armen zeigen an den inneren und
äußeren
Rändern helle Schattierungen. Die Spiralarme haben eine
gewisse
Ähnlichkeit mit einem Fischskelett eines Streifenfischs
(italienisch: Latterino). Einer der Spiralarme windet sich um die
Galaxie und geht dann über zur schwächeren Komponente
NGC 5195.
Es lassen sich auch sehr schön die Verdickungen am hellen Kern
erkennen, von denen die Spiralarme starten. Ein wirklich beindruckendes
visuelles Schauspiel insb. bei mittleren
Vergrößerungen
(V=100 bis 200). (12 Zoll, 06. Juni 2010) NGC 4565 „Needle-Galaxy“ Die Galaxie befindet sich in Kantenlage und ist sehr
lang. Eine sehr einfache und recht helle Galaxie mit auffällig
hellen Bulge. Der Bulge wird durch das Staubband im unterem drittel in zwei
geteilt. Das Staubband ist beinahe über die Gesamtlänge der Galaxie zu
beobachten. Ein Paradeobjekt!
Was
vermisse ich an diesem Gerät: Eine
Fangspiegelheizung! Bedingt durch die Gitterohrkonstruktion ist das
Gerät für Tau anfällig. (Nach Rücksprache mit Herrn Tennigkeit wird es in Zukunft eine Fangspiegelheizung als Sonderzubehör geben) Weiterhin ist das
Gerät
aufgrund der Gitterrohrkonstruktion anfällig gegen Streulicht.
Eine Verkleidung wäre hier ein sinnvolles Zubehör.
Service:
Die Fa. Hofheim Instrument ist per Mail erreichbar.
Fragen werden per Mail sofort, kompetent und ausführlich
beantwortet.Ein notwendiges Ersatzteil wurde innerhalb
von 48 Stunden geliefert.
Fazit:
Nach etwas
mehr als einem Jahr und über 25
Beobachtungsnächte würde ich dieses Gerät
jederzeit wiederkaufen. Es war Liebe auf dem ersten Blick...und diese Liebe hält nach über einem Jahr noch unvermindert an!
mtlänge der Galaxie zu
beobachten. Ein Paradeobjekt!