Bericht: 18.02.2012

Beobachten auf der Insel La Palma, Kanaren, Teil II

Ort: ORM bei Km 35, 2100m, Insel La Palma, Kanaren
Datum: Donnerstag 18.2.2012, 20:00 bis 1 Uhr
Wetter: klar, Temp. 0°, 30% rF, windig, ab 1 Uhr Nebel
Grenzgröße: fst +7m
Ausrüstung: 12 Zoll Reisedobson
Okulare:  20, 13, 9 mm
Kommentare: Uwe 20“, Marc 14,5“, 8“, Christian 12“

Objekte: M79, M42, NGC1851, NGC 1808, NGC 1792, NGC 1531, NGC 1532, NGC 1360, NGC 2286, NGC 2335, NGC 2479, NGC 2509, NGC 2482, NGC 2527, NGC 2467
Die vergangene Nacht sind wir nicht beobachten gewesen. Wind, Nebel und Wolken haben uns davon ferngehalten. Das Wetter auf dem Roque scheint seit Samstagmorgen deutlich besser geworden zu sein. Es ist klar, aber es weht ein Wind aus Norden mit 7-9 m/s, das sind etwa 30 Km/h. Wir hoffen einen Platz mit Windschatten zu finden bzw. auf abnehmende Winde im Laufe der Nacht. Um 18 Uhr sind wir schon auf dem Roque und beobachten die Wetterlage. Am Roque selbst ist es klar, es weht ein strammer Wind und es ist trocken. Wir beschließen außerhalb des Observatoriums bei Km 35 Stellung zu nehmen. Wir meinen einen einigermaßen windgeschützten Platz zu haben, was sich später als falsch herausstellt. Der Wind nimmt ab 21 Uhr mit >10 m/s drastisch zu und starke Windböen verstellen die Teleskope. Zudem begleitet uns ein schlechtes Seeing. Bei 100-fach ist Ende. Im Okular beobachten wir wie die Sterne anfangen zu pumpen.


(Wetterdaten NOT, Graph Samstag 18.02. ab 8 Uhr bis Sonntag 6 Uhr morgens, Windstärke rot in m/s, Luftfeuchte blau in %; im Graph zeigt sich sehr deutlich wie ab 21 Uhr die Windgeschwindigkeit auf über 10 m/s ansteigt. Um Mitternacht sind Windböen von 15 m/s bzw. 50 Km/h vorhanden. Ab 1 Uhr steigt die Luftfeuchtigkeit an, während das NOT noch oberhalb des Nebels ist, sind wir bei Km35 um 1 Uhr schon mittendrin.)


(Pano Richtung Norden: links WHT, DOT, SST. Rechts: Caldera de Taburiente. Im Hintergrund rechts der Berg Teide auf der Insel Teneriffa)

Ees ist nicht einfach ein geeignetes Beobachtungsprogramm bzw. Objektliste bei diesen Bedingungen zu finden. Ich beobachte zu Beginn helle Objekte bei schwacher Vergrößerungen von 75 bis 115-fach. Als „teaser“ beobachte ich Objekte wie z.B.
- den hellen Kugelsternhaufen M79 im Sternbild Hase: hell, aufgelöst und kontrastreich
- Orionnebel M42: sehr hell und kontrastreich, die ausgedehnten Nebelfelder wabern jedoch im Okular aufgrund des Seeings
- NGC 1851, ein Kugelsternhaufen im Sternbild Taube zeigt sich als runder Nebelfleck mit einer starken Konzentration zur Mitte hin. Einzelstern im Halo sind schwer auszumachen, das Zentrum ist nicht auflösbar
-NGC 1808 und NGC 1792: ein wenig nördlich des Kugelsternhaufen NGC 1851 befinden sich zwei helle Galaxien in der Taube. Beide wirken elongiert, stark oval und hell
-NGC 1531 mit NGC 1532, ein schönes Galaxienpaar im Sternbild Eridanus, wobei NGC 1532 die deutlich größere und interessantere der beiden ist.
-NGC 1360, ein großer und stark ovaler/elongierter PN mit hellem Zentralstern im Sternbild Fornax


(Bergschatten des Roque d.L.M.)


(Untergehnde Sternbilder im Westen u.a. Cassiopeia und Perseus)


(Zodiakallicht im Westen mit Venus)

Gegen 22 Uhr nehme ich mir offene Sternhaufen vor, da diese relativ problemlos zu beobachten sind. Ich entscheide mich die mir noch fehlenden offenen Sternhaufen der Herschel 400 Liste zu beobachten. Dies erweis sich als sehr erfolgreich und machte mir trotz widrigen Umständen richtig Spass. Unter einen dunklen und transparenten Himmel lassen sich noch so lockere oder unscheinbare Sternhaufen sehr einfach ausmachen. Mittlerweile peitschen ordentliche Windböen rein. Wir halten aus was geht.

NGC 2286, OC, Mon
Der OC befindet sich in sternreicher Umgebung und hebt sich trotzdem gut vom sternreichen Hintergrund ab. Der OC wirkt oval, es sind zahlreiche Mitglieder vorhanden, im äußeren Bereich tummeln sich die helleren Mitglieder, im inneren sind viele lichtschwache und  nadelfeine Sterne zu erkennen. Der OC wirkt etwas locker bzw. wenig komprimiert und gibt im 20mm Okular (V=75, AP=4,0mm) einen schönen visuellen Eindruck.

30' x 30' STScI Digitized Sky Survey

NGC 2335, OC, Mon
Der OC zeigt sich relativ rund und kompakt mit einigen hellen Mitgliedern in sternreicher Gegend. Inder Nähe und etwas südlich befindet sich der heller OC NGC 2343.

30' x 30' STScI Digitized Sky Survey

NGC 2479, OC, Puppis
Kleiner OC mit einigen hellen Mitgliedern. Der OC wirkt rund und relativ kompakt. Östlich zeigt der OC eine Delle und wirkt dadurch wie ein umgekehrtes „C“ im Okular.

30' x 30' STScI Digitized Sky Survey

NGC 2509, OC, Puppis
Der OC enthält einige helle Mitglieder, wirkt relativ klein und kompakt und rundlich. Im NW und SW zeigt der OC leicht eckige Kanten.

30' x 30' STScI Digitized Sky Survey

NGC 2482, OC, Puppis
Der OC wirkt in NW-SO elongiert bzw. verlängert, wirkt locker und länglich. Im Norden befindet sich ein heller Doppelstern.

30' x 30' STScI Digitized Sky Survey

NGC 2527, OC, Puppis
Wirkt relativ groß, locker mit einigen hellen Mitgliedern. Im inneren sind einige helle Sternketten ersichtlich.

30' x 30' STScI Digitized Sky Survey

NGC 2467, EN, Puppis
Ein großer und heller Nebel, flankiert durch einige helle Sterne im NO, der Nebel wirkt fast oval, im inneren befindet sich ein oder mehrere Sterne, drumherum scheint sich der Nebel wie ein Fächer zu öffnen. Sehr schöner Nebel, lohnt sich!

30' x 30' STScI Digitized Sky Survey

Um ein Uhr beenden wir die Beobachtungsnacht, da der Wind unerträglich geworden ist. Wir packen ein. Kaum sind wir fertig ziehen erste Nebelschwaden herein. In kürzester Zeit ist die Frontscheibe des Autos durch eine dünne Eisschicht bedeckt. Gut das wir hier schnell wegkommen. Insgesamt eine durchwachsene Beobachtungsnacht, die dennoch spass gemacht hat. Immerhin standen wir unter sehr guten 7m Himmel bei sehr guter Transparenz.

Anbei einige Stimmungsbilder:


(TNG)


(NOT)


(NOT)

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